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MITTWOCH, 20. MÄRZ 2019
WIE HABEN JUGENDLICHE DEN MAUERFALL ERLEBT?

Für ein wissenschaftlich-künstlerisches Projekt sucht die Stiftung Berliner Mauer ZeitzeugInnen des Jahrgangs 1975, die bereit sind, ihre Erlebnisse per Videointerview zu teilen. Das multimediale Interviewprojekt „Perspektiven der Generation 75 – Mit 14 ins neue Deutschland“ der Universität Konstanz und der Stiftung Berliner Mauer lädt ab sofort Personen aus Baden-Württemberg, Brandenburg sowie Ost-und West-Berlin ein, zu erzählen, wie sie die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik Deutschland vor und nach dem Mauerfall erlebt haben.

Interessierte können sich ab sofort unter uni.kn/bertram/generation-1975 in eine Online-Datenbank eintragen.

Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Prof. Dr. Axel Klausmeier betont: „Für uns ist das Projekt von großer Bedeutung, weil es – 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer – eine andere und neue Gruppe von Menschen zu Wort kommen lässt. Es ist innovativ und hat das Potenzial, die Perspektive auf den Mauerfall zu erweitern. Deshalb hoffe ich sehr, dass viele Menschen sich beteiligen und über ihre Erlebnisse berichten."

Die Interviewten sollen eine möglichst große Bandbreite an möglichen Lebensverläufen und Perspektiven im geteilten und wiedervereinigten Deutschland widerspiegeln. Die Initiatorin des Projekts, Juniorprofessorin Dr. Christiane Bertram von der Binational School of Education der Universität Konstanz, sagt: „Wir interessieren uns für Menschen, die durchgehend in einem der drei Bundesländer gelebt haben, aber auch für diejenigen, die vom Osten in den Westen oder vom Westen in den Osten gezogen sind. Wir möchten viele verschiedene Sichtweisen auf das geteilte und wiedervereinigte Deutschland einfangen“.

Die Besonderheit des Oral-History-Projekts liegt darin, dass es einen wechselseitigen Blick von Ost nach West und zurück ermöglicht. Bisher werden die Umbrucherfahrungen und das Erlebnis des geteilten und wiedervereinigten Deutschlands nahezu allein im Osten Deutschlands verortet. Wie das geteilte Deutschland von den Westdeutschen wahrgenommen wurde und wie sie die Wiedervereinigung erlebt haben, steht sonst nur selten im Fokus: „Jede Person, die mitmacht, hat die Möglichkeit, ihre eigenen Erlebnisse, Sichtweisen und Botschaften auszudrücken“, sagt Christiane Bertram. Aufgrund ihres Alters können die Interviewten nicht in die Kategorien „Täter“ oder „Opfer“ eingeordnet werden. Der Historikerin und Bildungsforscherin ist es wichtig, dass die Menschen miteinander ins Gespräch kommen: „Es wird immer so getan, als ob es einen großen Graben gäbe zwischen dem Osten und dem Westen. Wir möchten überprüfen, ob das wirklich so ist.“

„Wie ordnen Sie aus heutiger Perspektive Ihr Erlebnis eines zunächst geteilten, dann wiedervereinigten Deutschland ein?“ – so lautet die Hauptfrage an die Zeitzeugen. Die Interviews werden von den VideokünstlerInnen Ina Rommel und Stefan Krauss durchgeführt. Geplant sind mehrstündige, lebensgeschichtliche Interviews, die bei den InterviewpartnerInnen zu Hause entstehen. Sie werden wissenschafltich ausgewertet. Auf der Basis des Materials wird eine Videoinstallation erstellt, die im Gedenkjahr 2020 – „30 Jahre Wiedervereinigung“ – zunächst in Berlin gezeigt wird und dann als Wanderausstellung auf Tour gehen soll. Darüber hinaus wird das Videomaterial in didaktischen Lernangeboten eingesetzt.

Das Projekt wird mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

Faktenübersicht:

  • Multimediales Interviewprojekt „Perspektiven der Generation 75 – Mit 14 ins neue Deutschland“
  • Videointerviews mit 30 ZeitzeugInnenaus Baden-Württemberg, Brandenburg sowie Ost-und West-Berlin
  • Kooperationsprojekt der Binational School of Education (BiSE) der Universität Konstanz, der Stiftung Berliner Mauer, des Archivs Deutsches Gedächtnis der Fernuniversität Hagen und der VideokünstlerInnen Ina Rommel und Stefan Krauss, gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
  • Projektleiterin ist Juniorprofessorin Dr. Christiane Bertram an der Binational School of Education (BiSE) der Universität Konstanz
  • Wissenschaftliche Auswertung der lebensgeschichtlichen Interviews und Einsatz der Videos in einer künstlerischen Videoinstallation sowie in Bildungsangeboten
  • Anmeldung in Online-Datenbank: uni.kn/bertram/generation-1975
  • Kontakt: generation75@uni-konstanz.de
    Für Presseanfragen:
    Maria Schorpp | Kommunikation und Marketing Universität Konstanz
    T.: +49 7531 88-3575 | E: maria.schorpp@uni-konstanz.de


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Kontakt: Hannah Berger | Pressesprecherin Stiftung Berliner Mauer
Bernauer Straße 111 | 13355 Berlin |Tel. 030 / 213085-162 | E-Mail: presse@stiftung-berliner-mauer.de