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DONNERSTAG, 23. JULI 2020
ROGGENERNTE AN DER KAPELLE DER VERSÖHNUNG

Berlin, 23. Juli 2020 – Am heutigen Donnerstag wurde das Roggenfeld an der Kapelle der Versöhnung auf dem Gelände der Gedenkstätte Berliner Mauer abgeerntet. Das rund 2000 m² große Getreidefeld im ehemaligen Grenzstreifen ist ein wesentliches Element der Gedenkstätte an der Bernauer Straße: Es steht als symbolkräftiges Zeichen für das Leben und damit für die Überwindung von Angst und Gewalt an diesem historischen Ort. Roggenfeld und Roggenernte sind ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Berliner Mauer, der Evangelischen Kirchengemeinde Versöhnung und mehrerer Kooperationspartner.

Die Betreuung des Roggenfeldes, das 2005 als Kunstaktion von dem Bildhauer und Steinmetz Michael Sprengler ins Leben gerufen wurde, liegt seit 2006 in den Händen der Lebens-wissenschaftlichen Fakultät der Berliner Humboldt-Universität – Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften (www.agrar.hu-berlin.de), welche die Pflege, Ernte und Aussaat übernimmt und sich mit verschiedenen Forschungsprojekten für das Roggenfeld engagiert.

Zum zweiten Mal nach 2019 beteiligte sich auch die Caritas-Werkstatt St. Johannesberg aus Oranienburg (www.caritas-werkstatt.com) an der Ernte: Sie mähte einen Teil des Roggenfeldes nach traditioneller Art per Hand mit der Sense, um die langen Strohhalme anschließend zu Strohschieden zu verarbeiten. Diese werden in sogenannten Einraumbeuten zur ökologischen Bienenhaltung eingesetzt.

Nach der Ernte wird das Korngut für verschiedene Projekte eingesetzt. Unter anderem werden daraus Brot und Oblaten gebacken, die an BesucherInnen der Kapelle der Versöhnung ausgegeben werden. Kleine Säckchen mit jeweils ca. 300 Gramm Korn – für eine Mahlzeit oder zur Aussaat – sind gegen eine Spende an der Kapelle erhältlich und reisen von hier aus in die ganze Welt.

Ein Teil der Ernte wird im Rahmen des Projekts Friedensbrot (www.friedensbrot.eu) alljährlich mit Getreide aus elf Ländern Mittel- und Südosteuropas, welches aus Roggensaatgut von der Bernauer Straße gewachsen ist, gemischt, gemahlen und zu einem pan-europäischen „Friedensbrot“ verbacken. In diesem Jahr hat der Verein Friedensbrot e. V. seine europäischen Partner aufgerufen, jeweils 5 kg ihrer Roggenernte nach Berlin zu senden: Die „Friedensbrote“ aus dieser europäischen Korn-Mischung sollen im Herbst für die EU-Agrarministerkonferenz bereitgestellt werden, die im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in Deutschland stattfindet.

Das bei der Ernte anfallende Stroh wird teils zur Verbesserung der Bodenqualität in die Erde eingearbeitet. Bevor in diesem Herbst der Roggen für das kommende Jahr ausgesät wird, erhält das Feld an der Kapelle der Versöhnung Anfang September 2020 zudem einen frischen Erdauftrag zur Bodenverbesserung: Ca. 200 Tonnen Mutterboden von der Nauener Platte, der für Roggen besonders günstige Bedingungen bietet, soll dazu beitragen, künftig einen besseren Ernteertrag zu erzielen.

Bereits im Frühjahr 1990 säten einige OstberlinerInnen auf dem Stück Mauerstreifen an der Bernauer Straße Lupinen aus. Später übernahmen Mitglieder der Versöhnungsgemeinde die Aussaat als Teil ihrer Gemeindearbeit – im einstigen Todesstreifen sollte wieder etwas wachsen. 2011 konnte das Roggenfeld in die Ausgestaltung des Gedenkstättenareals einbezogen werden. Mittlerweile wird hier seit 15 Jahren Getreide gesät, geerntet und nachhaltig verarbeitet.


Pressefotos stellen wir auf Anfrage gerne zur Verfügung.

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Kontakt: Gesine Beutin i. Vtr. für Hannah Berger | Pressesprecherin Stiftung Berliner Mauer | Bernauer Straße 111 | 13355 Berlin | Tel. 030 / 213 0851 - 62 | E-Mail: presse@stiftung-berliner-mauer.de