SA, 09.05.2009 - 20:00 UHR
Konzert von Mikoláš Chadima und der MCH-Band, Prag/ Lilo Fuchs und Herta Müller lesen Texte von Jürgen Fuchs.

Als der Eiserne Vorhang noch stand, konnten sich der Schriftsteller Jürgen Fuchs und der Prager Rockmusiker Mikoláš Chadima nicht persönlich begegnen. Der eine war aus der DDR ausgebürgert worden, der andere in der Tschechoslowakei mit Auftritts- und Reiseverbot belegt. Und doch entstand ein Kontakt: durch ihre Kunst.

Mikolás Chadima las zufällig in den 80er Jahren ins Tschechische übersetzte Gedichte von Jürgen Fuchs in der tschechoslowakischen Exilzeitschrift "150 000 slov" (150 000 Worte), die der emigrierte tschechoslowakische Schriftsteller Antonin J. Liehm in Paris herausgab. Die Zeitschrift war von Paris nach Prag geschmuggelt worden. Chadima fand in Fuchs’ Gedichten Erfahrungen wieder, die er selbst mit der Diktatur in der Tschechoslowakei machte, und er fing an, Texte von Fuchs zu vertonen und sie auf verbotenen Konzerten zu singen. Im Jahr 2002 hat Mikolás Chadima zum Gedenken an den verstorbenen Freund in Prag die CD "Tagesnotizen" herausgegeben, benannt nach Fuchs’ gleichnamigem Gedichtband. Anlässlich des 10. Todestages von Jürgen Fuchs, bringt Chadima nun dessen vertonte Gedichte am 9. Mai 2009 auf die Bühne in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin.

Umrahmt wird das Konzert von Texten und Gedichten des 1999 verstorbenen Jürgen Fuchs. Diese werden von der Witwe des Dichters, Lilo Fuchs, die als Psychologin in Berlin lebt, sowie von der ebenfalls in Berlin lebenden Schriftstellerin Herta Müller vorgetragen.