DI, 20.10.2009 - 19:30 UHR
Das System Grenze

Zum alltäglichen Betrieb des Bauwerks Berliner Mauer war im Hinterland der eigentlichen Grenz- und Sperranlagen neben der dauerhaften personellen Ausstattung der Grenzregimenter eine ebenso material- wie flächenintensive Infrastruktur und Logistik nötig. 1989 gab es rund um West-Berlin etwa 80 Standorte der Grenztruppen, die auf sehr unterschiedliche Weise Teil der Logistik der Grenze waren und so zum reibungslosen Ablauf und zur Versorgung der Grenzanlagen beitrugen. Großflächige Kasernenanlagen mit zusätzlichen Siedlungen für Offiziersfamilien und mit Ledigen-heimen sowie Truppenübungsplätze für die zwei Grenzausbildungsregimenter, die sich analog des Einsatzgebietes der zuletzt sechs Grenzregimenter rund um West-Berlin organisierten, waren ebenso Bestandteil des "Systems Mauer" wie Grenzübergangsstellen oder das Verwaltungszentrum des Kommandos der Grenztruppen in Pätz südlich von Berlin. Dazu kamen Gästehäuser der Grenztruppen in mitunter landschaftlich reizvollen Lagen, Offiziers- und Ferienheime, Ausbildungs- und Trainings-anlagen für Grenzhunde, Funkerstationen, sowie Materiallager und Unterkünfte für Propaganda-abteilungen. Ferner waren unzählige zivile Wirtschaftsbetriebe für den alltäglichen Betrieb der Grenze nötig, sei dies für die Versorgung mit Baumaterialien, mit Verpflegung oder mit Energie und Wasser.

Der Vortrag beleuchtet diesen bislang nicht untersuchten Aspekt der Berliner Mauer und arbeitet heraus, dass allein die baulichen Strukturen darüber Zeugnis abliefern, dass es sich hier nicht - wie offizielle Papiere der Grenztruppen immer wieder glauben machen wollten - um eine Grenze wie jede andere handelte.