DI, 03.11.2009 - 19:30 UHR
Der 9. November als Auftakt des deutschen Vereinigungsprozesses

Die erste Frage nach dem Mauerfall, die der SED-Generalsekretär Egon Krenz am 10. November Moskau beantworten musste, lautete: Mit welchen sowjetischen Dienststellen wurde die Öffnung der Grenze in Berlin abgestimmt? Mit der Maueröffnung durch die Berliner war der seit 1945 bestehende Vier-Mächte-Status Berlins durchbrochen worden, zumal das Berlin-Abkommen zwischen den Vier-Mächten von 1971 festlegte, dass keiner der Vertragspartner einseitig den Status Quo in Berlin verändern wird. Diese Vereinbarung wurde von den Vertragspartnern eingehalten. Es waren die Deutschen selbst, die in der Nacht am 9. November diesen Status mit einer "Wiedersehensfeier" faktisch aufgehoben haben. Im Mittelpunkt des Vortrages stehen die internationalen Reaktionen auf den Mauerfall, mit dem auf dieser Ebene die offene deutsche Frage und die Rückgewinnung der nationalen Einheit wieder auf die Tagesordnung der Weltpolitik gesetzt wurde.

Professor Dr. Manfred Wilke ist Soziologe, Publizist und Projektleiter beim Institut für Zeitgeschichte in München.