DO, 09.08.2018 - 18:30 UHR
Die verlängerte Mauer – Fluchtversuche am Eisernen Vorhang

Vortrag und Zeitzeugengespräch

Als am 13. August 1961 die Berliner Mauer gebaut wurde, hatten bereits mehr als 2,7 Millionen Menschen die DDR verlassen. Trotz Stacheldraht, Schießbefehl, Todesstreifen und der Androhung von Strafen riskierten die Menschen auch nach 1961 waghalsige Fluchtversuche aus der SED-Diktatur. Der kontinuierliche Ausbau des Grenzregimes versperrte zwar erprobte Routen, konnte die Fluchtbewegung aber nicht stoppen. Fluchtwillige schlugen andere Wege ein und suchten seit den 1970er Jahren verstärkt nach Möglichkeiten über die östlichen „Bruderstaaten“. Sie hofften auf nachgiebigere Kontrollen und geringere Strafen, jedoch wurden Tausende entdeckt, inhaftiert und an die DDR überstellt.

Anlässlich des 57. Jahrestags des Mauerbaus beschäftigt sich die Veranstaltung mit der Zusammenarbeit der Ostblockländer und der DDR bei der Absicherung der Grenzen und der strafrechtlichen Verfolgung. Im Mittelpunkt stehen die Erinnerungen von Zeitzeugen an ihre Fluchtversuche über die Tschechoslowakei, Ungarn und Bulgarien in den Jahren 1981 bis 1983.

Vortrag: Dr. Christopher Nehring, Leiter Forschung im Deutschen Spionagemuseum Berlin
Im Gespräch: Peter Keup, Thomas von Grumbkow, Zeitzeugen
Moderation: Dr. Sarah Bornhorst, Stiftung Berliner Mauer

Christopher Nehring, Leiter des Bereichs Forschung am Deutschen Spionagemuseum Berlin, studierte Osteuropäische Geschichte in Heidelberg, St. Petersburg und Sofia und promovierte zur Kooperation der DDR-Auslandsaufklärung mit der bulgarischen Staatssicherheit. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Artikel zum Thema Geheimdienste, DDR und Bulgarien, darunter die im Jahr 2017 bei der BStU erschienene Publikation „Tödliche Fluchten über Bulgarien. Die Zusammenarbeit von bulgarischer und DDR-Staatssicherheit zur Verhinderung von Fluchtversuchen“.

Thomas von Grumbkow (geb. 1960 in Leipzig) trampte schon als Jugendlicher gerne an die bulgarische Schwarzmeerküste. Im September 1981 missglückte sein Fluchtversuch an der bulgarisch-türkischen Grenze. Infolge einer Schussverletzung musste sein rechtes Bein amputiert werden. Nach einjähriger Haftstrafe wegen ungesetzlichen Grenzübertritts wurde er wieder in die DDR entlassen, wo er sich in Leipzig der kirchlichen Friedensbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ anschloss. 1984 folgte die Ausreise nach Westberlin.

Peter Keup (geb. 1958 in Radebeul) war erfolgreicher Turniertänzer und vertrat die DDR bei zahlreichen Meisterschaften. Sein Wunsch war es, an Tanzturnieren im Westen teilzunehmen und dort Karriere zu machen. Im Juli 1981 scheiterte sein Fluchtversuch über die Tschechoslowakei. Verurteilt wegen „Republikflucht“ zu einer zehnmonatigen Haftstrafe, gelangte er im März 1982 im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik.

Ort: Gedenkstätte Berliner Mauer | Besucherzentrum, Bernauer Straße 119, 13355

Eintritt frei
Keine Anmeldung erforderlich

In Kooperation mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur



Einladungskarte zum Download [PDF, 590,00 KB]