FR, 23.07.2010 - 19:30 UHR
Filme im Umbruch - Die Zeit von Mauerfall und Einheit: Dokumentarfilme der Umbruchszeit

Mit den Dokumentarfilmen „Imbiß spezial“ (1990) und „Volkspolizei 1985“ (1985/2001) findet am Freitag, den 23.07. um 19.30 Uhr, die gemeinsame Filmreihe der Stiftung Berliner Mauer und des PROGRESS Film-Verleihs ihren Abschluss. Zu Gast sein wird der bedeutende Dokumentarfilmer Thomas Heise. Unter dem Titel „Zwischen Untergang und Aufbruch – Dokumentarfilme der Umbruchszeit“ wird Heise über die Besonderheiten der Entstehung dieser Filme berichten. Zunächst bei der DEFA angestellt, arbeitet der unangepasste Filmemacher ab 1982 in der DDR freischaffend. Da sich seine Filme durch einen ungeschminkten Blick auf den ideologisch geprägten Alltag auszeichnen, werden sie entweder bereits vorab torpediert oder nicht zur Aufführung zugelassen. Um dennoch Filme machen zu können, arbeitete Heise u.a. für die Staatliche Filmdokumentation des DDR-Filmarchivs, deren Filme nicht für die Veröffentlichung bestimmt waren. Heises Kurzfilme "Volkspolizei 1985" und "Imbiß spezial" spiegeln die Stimmungen im Alltag in einer Zeit des Umbruchs in der DDR sehr eindringlich wider und gelangen erst nach 1989 zur Aufführung. Als der Staatlichen Filmdokumentation die Schließung drohte, gab Heise vor, die letzte offizielle Dokumentation über die Arbeit in einem Volkspolizeirevier in der Brunnenstraße in Berlin-Mitte zu erstellen. So entstand mit „Volkspolizei 1985“ ein einzigartiges Zeitdokument, welches den Abläufen im Polizeirevier - mit zum Teil heimlich aufgenommenen Originaltönen - die bitteren Bilder des tatsächlichen Alltags gegenüber stellt. Der Film wurde erst elf Jahre nach dem Mauerfall für die Veröffentlichung wiederentdeckt.
Die Dokumentation „Imbiß spezial“ entstand nur, weil Heises geplanter Abschlussfilm als Meisterschüler an der Akademie der Künste nicht genehmigt wurde. Ganze zwanzig Minuten hatte er Zeit, eine Idee für ein neues Projekt zu entwickeln. Pragmatisch entschied Heise daraufhin, die Gespräche und die Stimmung in der Woche vor den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 in einer Schnellgaststätte, in der damals sein Bruder arbeitete, festzuhalten. Amtliche Erfolgsmeldungen in den Nachrichtensendungen des DDR-Staatsfunks konterkariert Heise mit Tönen und Szenen aus der unterirdischen Imbiss-Bude des Berliner Bahnhofs Lichtenberg. Er schafft damit eine Bestandsaufnahme des bereits fortgeschrittenen staatlichen Zerfalls. Obwohl bereits im Dezember 1989 fertig gestellt, wurde der Film von den aktuellen Ereignissen überholt und erst ein Jahr später auf dem Filmfestival in Leipzig gezeigt.