DI, 26.11.2019 - 10:00 UHR
30 Jahre Friedliche Revolution und Mauerfall – die DDR, die Sowjetunion und der Zusammenbruch des Ostblocks

In den 1980er Jahren sah sich das SED-Regime vor enorme politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen gestellt. Durch die Politik der Glasnost und Perestroika in der UdSSR unter KPdSU-Generalsekretär Michael Gorbatschow wurde der Reformdruck auf die DDR noch verstärkt. Die SED-Führung unter Erich Honecker verweigerte sich den Bestrebungen nach einer Öffnung der Gesellschaft und hoffte, die Reformkräfte durch Einsatz des umfangreichen Repressionsapparats zurückdrängen zu können. Allen Planungen, die Oppositionskräfteblutig auszuschalten, zum Trotz kam es im Herbst 1989 jedoch nicht zum großangelegten Einsatz der Militär- und Sicherkräfte der DDR. An dieser Entscheidung hatte die Sowjetunion einen entscheidenden Anteil, denn sie verweigerte – im Gegensatz zu 1953 und 1961 – den Einsatz ihrer in der DDR stationierten Truppen zur Stützung des SED-Regimes. Am Montag, den 9. Oktober 1989, fand in Leipzig schließlich eine Demonstration von mehr als 70 000 DDR-Bürgern statt, die das Machtmonopol der SED für immer brach und zum Zusammenbruch des maroden ostdeutschen Staates führte. Nachdem der Staats- und Parteiapparat der SED seine Machtlosigkeit gegenüber den rasanten politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR offenbart hatte, gab es kein Halten mehr. Binnen weniger Wochen sackte der ostdeutsche Staat wie ein Kartenhaus zusammen. Als am 9. November 1989 schließlich die Mauer in Berlin fiel, wurde rasch deutlich, dass es zum Ende der DDR und zur deutschen Wiedervereinigung keine Alternative mehr gab.

Das Deutsche Historische Institut Moskau plant in Zusammenarbeit mit der Stiftung Berliner Mauer und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, im Zusammenhang mit dem 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution und des Mauerfalls einen Workshop zu diesen wichtigen historischen Ereignissen durchzuführen. Damit soll jedoch nicht nur an den Jahrestag erinnert werden. Es scheint derzeit vielmehr notwendig, bestimmte Sachverhalte in den Blick zu nehmen, die u.a. in der russischen Öffentlichkeit unter den Bedingungen eines erneuten Ost-West-Konflikts und der einseitigen Ausrichtung offizieller russischer Medien zunehmend ausgeblendet oder verzerrt dargestellt werden. Dazu gehört beispielsweise der Mythos, die Opposition in der DDR und den anderen Ostblockstaaten sei durch westliche Nachrichtendienste „fremdgesteuert“ worden. Die geplante Veranstaltung setzt sich zum Ziel, derartige Mythen aus unterschiedlichen Perspektiven zu entkräften.
An dem Workshop werden ausgewiesene Fachhistoriker aus der Bundesrepublik Deutschland, der Russischen Föderation und Polen teilnehmen.

Programm für den Workshop 30 Jahre Friedliche Revolution und Mauerfall

10.00-10.15 Uhr: Begrüßung

10.15-12.00 Uhr Die Friedliche Revolution und der Mauerfall in der DDR
Henrik Eberle: Der Zerfall des Honecker-Regimes
Rüdiger Wenzke: Der Militär- und Sicherheitsapparat der DDR während Wende und Mauerfall
Matthias Uhl: Das sowjetische Militär und das Ende der SED-Diktatur

12.00-13.15 Uhr: Die Sowjetunion, die DDR und der Zerfall des sozialistischen Systems
Hermann Wentker: Zerrüttete Beziehungen: Zur Entwicklung des ostdeutsch-sowjetischen Verhältnisses in der Ära Gorbatschow
Alexej Filitow: Die Sowjetunion und der Versuch einer neuen Sicherheitsarchitektur für Europa

13.15-14.30 Uhr: Mittag

14.30-16.00 Uhr: Der Mauerfall und das neue Osteuropa

Wladimir Zacharow: Perestrojka und Glasnost in der Sowjetunion
Wanda Jarząbek: Ständiger Krisenherd? Solidarność, der Runde Tisch und der Systemwechsel in Polen

In Kopperation mit dem Deutsche Historische Institut Moskau und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Programmübersicht [PDF, 110,00 KB]